Arbeit sollte Resonanzerfahrung vermitteln

Anfang Juni machte ich eine Reise in das wunderbare Vorarlberg, ich wurde von Barbara Köll eingeladen zum Wissentransfer in Lech/ Zürs über das Thema neue Recruiting-Ansätze im Tourismus zu sprechen. Ich hatte die Freude die Redezeit mit Prof. Dr. Mag. Anna Maria Pircher-Friedrich zu teilen, die ihr Wirken unter das Thema sinnzentrierte Unternehmensführung gestellt hat. Ihre angesprochenen Punkte räsonierten stark mit vielen mir ebenfalls sehr grundlegenden Punkten, so dass ich euch heute davon erzählen möchte.

„Das Bild das uns bewusst oder unbewusst leitet, kann gestalten und schaffen oder radikal zerstören!“ 

Prof. Dr. Mag. Anna Maria Pircher-Friedrich

Es gibt meiner Meinung nach viel zu wenige Sprecherinnen, die die Werte die obigem Zitat zugrunde liegen laut aussprechen. Zuviel höre ich stattdessen über Geschäftsmodelle, Funding und Profitabilität. Nicht das es schlecht wäre sich auf ein gut laufendes Geschäft zu konzentrieren, aber wenn man das Fundament einer Unternehmung einzig auf Profitmaximierung und grenzenloses Wachstum setzt, dann wird die Arbeit in einem solchen Haus die Mitarbeiter zwangsläufig entfremden statt Resonanzerfahrung zu vermitteln. Anna Maria Pircher-Friedrich sprach in diesem Zusammenhang von einer Lebens-Führungs-Leistungsmessung, dass es darauf ankommt welche Wirkung man durch die Führung eines Unternehmen erzielt. Laut Pircher-Friedrich gibt es zwei Arten von Menschen, die die sich für ihre Arbeit hergeben, die nur für die Lohntüte arbeiten und die die sich ihrer Arbeit hingeben und mit ihrem Herzen dabei sind. Ein beeindruckendes Beispiel lieferte sie mit der Geschichte einer Vollblut-Gastronomin einer Gaststätte in Tirol. Diese Dame gab sich derart leidenschaftlich in den Dienst für ihre Gäste, dass diese heute nach ihrem Tod zuerst den Gang zum Friedhof machen, bevor sie die Gaststätte besuchen.

Das klingt euch ein wenig zu esoterisch? Wie wäre es dann mit ein paar brandneuen Erkenntnissen aus der Neurobiologie? Der Freiburger Medizinprofessor und Psychotherapeut Joachim Bauer bewies in mehreren Studien, dass der Mensch in seinem Streben auf Kooperation und Wertschätzung mit seinen Mitmenschen ausgerichtet ist. (Hier ein schöner Artikel dazu). Was mich dabei am meisten faszinierte, war die Ausführung von Anna Maria Pircher-Friedrich zu der umgekehrten Einstellung also Egoismus und reine Leistungsbezogenheit, denn diese Menschen arbeiten gegen ihre eigenen Chemie im Hirn. Wer vereitelt, buckelt und missgönnt wird unglücklich, statt Dopamin gibt es die volle Ladung Adrenalin und Stresshormone. Aua, das führt zum Bankrott. Neurobiologisch bewiesen.

Die Empfehlungen sind im Grunde einfach, wir sollten am Anfang ansetzen. Die Unternehmensziele oder die Ziele für die eigene Karriereplanung sollten immer sinnzentriert sein. Leider setzen die meisten Manager und Managementmethoden viel zu weit unten an. Es wird sich darum gekümmert welche Ergebnisse Mitarbeiter erzielen, ob die Motivation stimmt. Dabei fängt alles mit dem Menschenbild an das uns vermittelt wird und das wir durch Beobachtung bestätigen und festigen. Dieses bestimmt unser Denken und unsere Gedanken führen schließlich zum Tun. Darum setzt Anna Maria Pircher-Friedrich immer zuerst auf der obersten Ebene des Menschenbildes an.

Ein äußerst anstrengender Job wir ich vermute, aber die Ergebnisse sprechen für sich. Ein schönes Beispiel, auch aus der Gastronomie, ist das eines Hotelliers der mit einer starken Fluktuation seiner Reinigungskräfte zu kämpfen hatte. Zuerst wurde die Sinnzentrierung von „ausgebucht sein“ hin zu „dem Gast dienen/ einen unvergesslichen Aufenthalt bescheren“ entwickelt. Dann entstand die grandiose Idee jeder Reinigungskraft ein kleines Budget zuzusprechen, wovon in Einregie kleine Aufmerksamkeiten gekauft werden sollten. Wer wenn nicht die Reinigungskräfte wissen am Besten welche kleinen Geschenke, Blumengestecke, schlicht persönliche Zeichen der Wertschätzung die Gäste begeistert. In den Geschäftsbüchern braucht man nicht danach zu suchen, der finanzielle Erfolg folgte allerdings spürbar. Und die Resonanzerfahrung war so stark, dass sich die Mitarbeiterzufriedenheit des Hauses spürbar festigte. Eine sehr lehrreiche Reise in die Berge war das für mich. Arbeit sollte also zu Resonanzerfahrungen in einem menschenorientierten, sinnerfüllten Arbeitsklima führen.

 

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