Denn sie wissen nicht was zu tun

In den letzten acht Jahren Recruiting, habe ich von den Kollegen aus den Personalabteilungen bis zu den Bedarfsträgern in den verschiedensten Fachabteilungen so mancher Unternehmen, den viel zitierten Fachkräftemangel direkt wahrgenommen. Dabei gab es Unternehmen die es gut verstanden darauf zu reagieren und andere die hart zu kämpfen hatten. So manche Employer Branding Strategie und noch vielmehr der Personaldienstleister des Vertrauens, halfen dabei so manche Position mit dem richtigen Mitarbeiter zu besetzen.

Doch eine wichtige Perspektive kam mir in den letzten Jahren dabei zu kurz, die des Bewerbers nämlich. Damit meine ich nicht ausschließlich, dass die Unternehmen zu wenig für Ihre Mitarbeiter tun, sondern das vielen Menschen die Orientierung für ihre Karriere fehlt. Wie Jo Diercks an dieser Stelle ausdrücklich schreibt, gibt es die verschiedensten alarmierenden Zahlen, die das große Problem der mangelnden Karriereorientierung hierzulande darstellen. Der Vielzahl an Möglichkeiten für die Berufswahl, so gibt es in Deutschland über 600 Ausbildungsberufe und knapp 10.000 Studiengänge, steht auch eine verhältnismäßig hohe und auch steigende Zahl an Ausbildungsabbrüchen (24,4% insgesamt in 2012) und Studienabbrüchen (28% bei den Bachelor Studiengängen in 2010) gegenüber.

Ich glaube, all dies deutet darauf hin, dass junge Menschen oftmals von der Herkulesaufgabe, den für sie “richtigen”, den “passenden” Berufsweg einzuschlagen, schlichtweg überfordert sind. Zu der Vielzahl an Berufen und Studiengängen gesellt sich ja auch die Frage des richtigen Ausbildungsbetriebs bzw. der richtigen Hochschule. 

Joachim Diercks, Recrutainment Blog

Das würde ich sofort unterstreichen und ich würde sogar noch weiter gehen. Denn nur weil man schon ein paar Jahre berufstätig ist, heißt dies noch lange nicht, dass man seinen Traumjob gefunden hat. Über das was ich Mc Kinsey Falle nenne, schrieb ich in diesem Blog schon an dieser Stelle. Es ist quasi das böse Erwachen einer vorgezogenen Midlife Crisis, dass ich in meinem Bekannten- und Freundeskreis schon sehr deutlich sehen kann. Etwas weniger subjektiv ist die folgende Darstellung des Google Ngram Viewer die ich einmal herausgesucht habe:  

Der Graph zeigt die Bedeutung der Wörter „Verbeamtung“ und „Karriereorientierung“ in den von Google gescannten deutschen Büchern über die letzten zwanzig Jahre. Auch wenn die Auswahl dem einen etwas eigenwillig erscheinen mag, ich finde den Turning Point im Jahre 2005 bezeichnend für diesen Beitrag. Und auch der Anstieg der Bücher die über Karriereorientierung handeln ist interessant. So oder so, Deutschland steht vor einem gewaltigen demographischen Problem und einer Jugend, die sich nicht sicher ist in ihrer Berufswahl. Meiner Meinung nach, kommt diese Unsicherheit aus einer Mischung von einem immer höher werdenden Erwartungsdruck und einer über Jahre versäumten Karriereorientierung seitens der richtigen Institutionen. Statt einem jungen Menschen die Auswahl auf die kompletten 600 Ausbildungsberufe und 10.000 Studiengänge des Landes im Berufsinformationszentrum (BIZ) zu geben, geht es doch viel eher um das Erkennen der eigenen Fähigkeiten. Erst wenn ich weiß was ich kann und diese Fähigkeiten trainiere, habe ich doch die Chance mich zu beweisen am Arbeitsmarkt.

Nicht jeder ist für die Selbständigkeit gemacht und nicht jeder wählt von Anfang an den richtigen Beruf. Es ist nicht die Bildung allein die einen zum Job führt und auch Karrieristen können gefeuert werden. Es gibt keine universellen Karrieretipps, sondern nur die richtige Einstellung zur Arbeit und die Rolle die man selber in der Berufswelt zu spielen in der Lage ist. Denn es kommt darauf an den eigenen Werkzeugkasten kennenzulernen, sich der eigenen Fähigkeiten bewusst zu werden und diese dann der Arbeitswelt bestmöglich anzubieten. 

Von dem Rüstzeug für die fluide Karriere, superhelden-training.de

Aus diesem Grund bin ich sehr froh, dass Jo das Jahr 2014 ausgerufen hat zum Jahr der Karriereorientierung. Es passt auch perfekt zu dem neuen Blog superheldentraining.de, den Inken Meyer und ich zusammen letzte Woche gelauncht haben. Der Blog begleitet unser gemeinsames Buchprojekt und rahmt alle Tätigkeiten um die Entdeckung des eigenen Superkräfte-Werkzeugkastens ein. Denn das Land braucht mehr Superhelden.

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