Die M&M’s die einem die Arbeit schwer machen

Wer kennt sie nicht, die M&M’s die uns die Arbeit schwer machen: Manager und Meetings. Da ist man gerade hochkonzentriert, schafft so richtig was und schon wieder soll man in einen der sechs Meetingräume, die sowieso ständig überbucht sind und wo man immer mindestens einmal von anderen Kollegen gestört wird mit der Frage: „Habt ihr diesen Raum auch geblockt?“.

Es scheint so, dass effektives Arbeiten durch in Meetings zerstückelte Tage fast unmöglich gemacht wird. Und wenn man nicht gerade zu zehnt in einem Meeting sitzt, kommt der Manager vorbei und stört einen bei der Arbeit mit Fragen wie „Na? Wo bist du dran?“ oder man verliert sich in Koordinationsgesprächen, die auch nichts anderes sind als Meetings. Schaut doch mal schnell auf eure Kalendereinträge eurer iPhones oder noch schlimmer eurer Blackberrys. Wieviel Zeit habt ihr nächste Woche effektiv um produktiv sein zu können? Ohne Unterbrechungen, ohne das euch Chef von der Arbeit abhalten könnte, 20 Stunden, nur 10? Und wie viel Stunden am Stück sind das, könnt ihr auch mal vier Stunden ohne Meeting durcharbeiten? Dies führt zwangsläufig zu der Frage, ob das Büro überhaupt ein Ort ist wo produktive Arbeit möglich ist:

When I ask people „Where do you go when you really need to get something done?“ I’ll hear things like, the kitchen, the basement, the coffee shop, the library. And then you’ll hear people say, „Well, it doesn’t really matter where I am, as long as it’s really early in the morning or really late at night or on the weekends.“ You almost never hear someone say the office.

Jason Fried, CoFounder, 37signals

Mir gefällt die plakative Art von 37signals Gründer Jason Fried außerordentlich, denn derlei Fragen sind unbedingt notwendig. Die Art wie wir uns in unseren modernen Glas-und Betontempeln organisieren, ist schlichtweg überholt. Jeder Mensch hat andere Produktivitätsgewohnheiten, zu glauben man könnte diese quasi auf Kommando um 10:45 bis 11:45 zwischen zwei Meetings herauskitzeln, ist illusorisch. Jason vergleicht das mit den Schlafphasen, richtig erholt fühlen wir uns am nächsten morgen nur wenn wir vier Schlafphasen komplett durchlaufen haben. Einmal unterbrochen müssen wir bei Phase eins von vorne anfangen.

Und bleiben wir kurz bei dem Thema Schlaf und Arbeit, verschiedenste Studien belegen das Überstunden und Schlafmangel zusammen hängen (The Whitehall II Prospective Cohort Study). Dafür genügen bereits 93 Minuten mehr Arbeitszeit pro Woche, wie an der University of Pennsylvania herausgefunden wurde. Kein Wunder, so kenne ich viele ehemalige Kollegen die außerhalb der üblichen Kernarbeitszeiten entweder vor allen anderen oder nachdem alle gegangen sind ihre ToDo-Listen abarbeiten. Aber können Überstunden die Lösung sein?

Ich glaube ganz fest daran das ein elementarer Wandel in den Köpfen unserer Manager und Geschäftsführer stattfinden sollte. Die scheinbar unlösbare Bindung von Leistung an einen festen Arbeitsort und Zeit muss sich lösen. Wir schaffen nicht mehr wenn wir in Meetingräumen festsitzen und schon gar nicht wenn uns immer jemand im Nacken sitzt. Die üblichen Zwänge wie der Aktienkurs, die Firmenzentrale oder der Vorgesetzte dürfen nicht allein zählen, die Leistungsfähigkeit von Menschen folgt diesen nicht. Nur wenn ein fluides Arbeitsmodell gefunden wird, wo sich die Stärken der Mitarbeiter entfalten können weil sie ihren Arbeitstag nach ihren Produktivitätsgewohnheiten einteilen können, kommen wir weiter.

Wenn man sich so manchen Arbeitstag im Büro durch den Kopf gehen lässt, kann man diese Empfehlung von Jason Fried nur gut finden:

And the last suggestion I have is that, if you do have a meeting coming up, if you have the power, just cancel. Just cancel that next meeting. Today’s Friday — so Monday, usually people have meetings on Monday. Just don’t have it.

Jason Fried, CoFounder, 37signals

 

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