It’s about the people stupid

Warum mache ich das eigentlich alles hier? Regelmäßig bloggen, twittern, alles auf Facebook verteilen und kräftig liken und kommentieren? In einigen meiner Freundeskreise werde ich deswegen schon als ziemlich nerdig (für die die sich angesprochen fühlen, nerdig= Neudeutsch für absonderlich) eingestuft.

Ich bin der mit den Internetfreunden, der sein iPhone nie aus der Hand legt. Beim Teilen von Fotos auf Facebook oder beim Einchecken mit Foursquare ernte ich oft Kopfschütteln. Die unausgesprochenen Fragen dahinter: „Warum macht er das? Dafür gibt es doch ___ (veraltetes, analoges Pendant hier einsetzen)? Ist der etwa süchtig?“

Die Antwort ist einfach, ich mache das wegen euch. Jeder einzelne Kommentar, jeder Like und jedes geschriebene Wort macht mich ein wenig glücklicher. Ich kann spüren wie sich neue Bekanntschaften entwickeln, jeder Austausch von Lieblingsthemen bereichert mich.

Das was mich am Bloggen und den ganzen Social Media Gedöns wirklich interessiert sind nämlich all die wunderbaren Menschen dahinter. Ich bin an weit mehr interessiert als zu „netzwerken“ und „Synergien zu schaffen“. Ich will euch in die Augen schauen, von euch lernen, ich will wissen wer ihr seid.

Heute morgen habe ich diesen wunderbaren Artikel von Paul Miller gelesen. Er hat ein Jahr komplett ohne Internet gelebt. Als Experiment und für die Klärung der Frage was das Internet mit uns Menschen tut. Ob man davon geheilt werden könnte?

I’d read enough blog posts and magazine articles and books about how the internet makes us lonely, or stupid, or lonely and stupid, that I’d begun to believe them. I wanted to figure out what the internet was „doing to me,“ so I could fight back. But the internet isn’t an individual pursuit, it’s something we do with each other. The internet is where people are.

Paul Miller, I’m still here: back online after a year without the internet

Zum Glück muss ich diesen Wahnsinn nicht nachmachen. Tausend Dank schonmal Paul dafür. Aber viel dankbarer bin ich für die wichtige Erkenntnis das das Internet kein Ding ist was uns süchtig oder krank machen kann. Das Internet hat die verschiedensten Möglichkeiten geschaffen mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Wenn dann machen wir uns abhängig von anderen Menschen und deren Aufmerksamkeit, wie auch vorher ohne das Internet. Wenn dann sind wir süchtig nach Kontakt, Bestätigung und warmen Worten unserer Mitmenschen, wie auch vorher ohne das Internet.

Das für mich klarste Beispiel für die Natürlichkeit der digitalen Kommunikation, ist der Moment wo Paul seiner Nichte erklärt warum er ein Jahr nicht mir ihr Skypen konnte. Sie dachte er habe keine Lust gehabt sie zu sprechen, da läuft mir schon eine Gänsehaut den Arm entlang. Als temporärer Pendler verstehe ich das nur zu gut, noch besser aber wenn meine Schwiegermutter in Brasilien ihre Enkeltochter wachsen sehen kann, über das Internet.

Ich möchte also allen Neophobikern hierzulande, allen Eltern die ihrem Kind den Internetzugang zum Schutz abklemmen und jedem der sich über die von Smartphone Displays blau leuchtenden Gesichter morgens in der U-Bahn aufregt zurufen: „It’s about the people stupid!“ Reg dich nicht darüber auf wie die Leute miteinander in Kontakt kommen, rede mit. Ändere etwas in dem du etwas änderst, alles andere ist vollkommen wertlos, verpufft und ist die Zeit nicht wert sich damit zu beschäftigen!“

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