#rp13 – die Konferenz die eigentlich keine war

Natürlich war es mal wieder großartig. Es gibt keine bessere Möglichkeit im Kalenderjahr die Timeline kohlenstofflich zum Flausch um sich zu haben. Wie immer war es schwer jeden lieben Menschen ausführlich zu sprechen, im Grunde bin ich ja dafür das wir das ständige „Sorry, muss weiter“ und „tut mir leid, ich sehe da ist…“ einfach abschaffen, ist doch so auf der re:publica. 

Aber ich war leider wieder nicht so begeistert von der Qualität der Inhalte. Das liegt vor allem an der Mischung „Klassentreffen-Festival“ und den Bemühungen zu einer „themenorientierten Konferenz“. Das passt leider nicht zusammen, vieles geht dabei verloren, viele werden ausgeschlossen. Aber dazu gleich mehr. 

Nach ordentlich suchen, empfehlen lassen und radikalem Sessionwechsel habe ich sie dann doch gefunden, meine Perlen. Da ich am Montag gerade eben so zu Herrn Lobos Streber-Aufsatz nach Berlin kam (mir hat das Plugin aber gut gefallen), ging es für mich erst am Dienstag los. Hier freute ich mich auf Kate Darling mit ihren Robot Ethics. Sie sprach über ihre Studien am MIT, hier lies sie Probanten mit süßen Dinosaurierbaby-Robos spielen und forderte die Gruppe danach auf die Spielgefährten zu zerstören. Viele hatten eine emotionale Bindung zu den Spielzeug-Robos aufgebaut und konnten sie nicht „töten“. Hieraus entstand eine sehr interessante Diskussion über Werte, Erziehung und wie wir Menschen miteinander umgehen. Als dann noch Moon Ribas und Neil Harbisson zu einer Diskussion auf die Bühne kamen, wurde der beste Satz der drei Tage für mich gesprochen:

Am nächsten und letzten Tag imponierte mir Cory Doctorow sehr. Er kam auf die Bühne, sagte kurz wir können winken wenn er zu schnell sei und redete dann 60 Minuten durch. Von der Notwendigkeit der Empörung über DRM, staatliche Kontrolle im Netz und das die Telekom ihr Kupfer demnächst schön aus unseren Gärten buddeln darf. Bäm.

 

Dann ging es schon in Richtung Abschied und ich hätte fast noch ein Bier bekommen bei der Session der Ironblogger Deutschland. Das Treffen dieser wunderbare Hilfsgemeinschaft im Internet schreibender Menschen, zu denen ich seit anfang des Jahres ja auch gehöre, war ein perfektes Beispiel für die Kultur der re:publica. Auf den Eintritts-Bänzeln zur #rp13 stand auch „das Ereignis“ und für mich war es das auch viel eher als eine Konferenz. Der Mittelpunkt der Zusammenkunft der Netzgemeinde, ist halt die Zusammenkunft der Netzgemeinde.

Ich komme zurück zu meiner anfangs angerissenen Kritik. Meinethalber können wir nächstes Jahr vier von sieben Bühnen schließen und die Call for Paper abschaffen. Bühne frei für Stars, gute Redner und unterhaltsame Keynotes auf den Stages, die Amateure bekommen ihre eigene Bühne. Und zwar das re:publica Barcamp. Die Sessionplanung ist wesentlich demokratischer als das völlig undurchsichtige Verfahren mit dem gerade Sprecher auf die Bühne gelassen werden und dann vor Lampenfieber wie Esbenlaub vor sich hin zittern 60 Minuten. Ja das sind direkte Worte, aber ich war mittlerweile auf so vielen Konferenzen, ich kann einfach niemandem mehr zu hören der nicht sprechen kann. Von vielen hörte ich noch völlige Überforderung bei dem Überangebot raus, ganz zu schweigen von den armen Erstgängern der Konferenz.

Versteht mich nicht falsch, es gab verdammt viel Gutes auf der diesjährigen re:publica. Das Catering war enorm gut (Chipotle Chicken und Haloumi Brötchen, om nom nom), die Zusatzveranstaltungen von Lunchbeat über DIY-Hackerspace und Co waren sehr gut und ich hörte es gab sogar WLAN. Habe ich aber nicht bemerkt, hab mich aus Gewohnheit gar nicht erst versucht einzuloggen. Also an dieser Stelle ein großes Lob an die vielen Helfer, alle Sponsoren und die re:publica Organisatoren, ich freue mich auf das nächste Jahr. Machen wir’s dann etwas entspannter und inhaltsreicher?

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5 Comments

  • Henning
    10. Mai 2013 at 18:39  - Reply

    Ich sehe das anders. Insbesondere der barcamp-Vorschlag stößt bei mir auf Ablehnung. Gerade die kontrollierte Programmzusammenstellung der im Rahmen der CfP-Aktion eingereichten Vorschläge und die dadurch möglich Justierung des Programms ermöglicht es doch, die Richtung einer Konferenz zu steuern und die Wertigkeit zu steigern. Im Grunde ist der CfP-Prozess ja nahe an dem eines barcamps gelehnt – jedoch findet m.E. durchaus eine Qualitätsfilterung statt. Gerade vor dem Hintergrund deiner Kritik am Vortragsstil würde ein barcamp-Stil wohl noch weniger für Professionalität bei den Präsentationen sorgen.

    Möglicherweise bin ich aber nur durch besuchte Barcamps negativ beeinflusst, weil ich mich in reinen Werbe- und Selbstvermarktungs-Sessions wieder fand.

    Ich habe in diesem Jahr bewusst die 150 Euro Eintritt gezahlt und ich wurde inhaltlich und qualitativ nicht enttäuscht.

    Daher eher meine Frage: brauchen wir noch ein barcamp in Deutschland? Oder brauchen wir nicht eher eine Konferenz, die bereits jetzt mediale und politische Aufmerksamkeit erregt und diese inhaltlich und netzstrategisch bedienen kann? Ein barcamp könnte das m.E. nicht.

    • Jormason
      10. Mai 2013 at 19:29  - Reply

      Sehr schön, dank dir für diesen Einblick. Ist ja auch notwendig mehrere Perspektiven zu hören. Interessant ist wie sehr die Meinung en aber auseinander gehen bei uns. Als ob wir auf einer völlig anderen Veranstaltung gewesen wären.

      Ich denke das ist das Problem, ich bin nicht bis zu Andreas durchgekommen und war nur kurz in der NEWAfrica Session. Dieses Perlen-picken ist es was mich stört. Diese Zusammenkunft großartiger Menschen aus aller Welt sollte wie im Schlarafenland verfügbar sein und einem in den Mund fliegen. Stattdessen muss man ewig laufen, extrem auf Zack sein und den Twitterspiegel checken und ganz einfach Glück haben.

      Der Barcamp Vorschlag bezieht sich auf das familiäre Gruppengefühl der Konferenz. Wie wäre es denn wenn man dieses Gefühl der eher um sich selbst kreisenden Themen und die Highlights ganz einfach klar trennt? Und sorry, die CfP-Aktion hat keinerlei qualitative Aspekte in meinen Augen, die Perlen bei denen ich war haben niemals beim Cfp mitgemacht, hier gab eine klare Einladung von der #rp-Redaktion. Wozu also der Hassle? Ich hätte es gerne immer noch höher in der Qualität und hey, ich zahle gerne 200€-300€ dafür.

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