Selbstführung im Unternehmen der Zukunft

Vor vier Wochen am 11.01.2016 habe ich einen tollen Menschen endlich persönlich kennengelernt, nämlich Frederic Laloux. Natürlich möchte ich euch mit einem ffluidcast daran teilhaben lassen. An dieser Stelle gilt ganz besonderen Dank Stefan Marks von Filming for Change, von dem ich die Audiodatei für den Podcast geliehen habe. Meine war Ok, aber kein Mitschnitt vom Mic, Merci also Stefan. Doch worum geht es? Frederic Laloux ist Autor des Buches, das ich am meisten empfohlen habe letztes Jahr. Zum Vortrag lud die Schule im Aufbruch gGmbH, und zwar an einem besonderen Ort, nämlich der Evangelischen Schule Berlin Zentrum Mitte, kurz ESBZ. Diese Schule kommt nämlich als Beispiel für eine neue Form der Selbstführung von Unternehmen in Frederic’s Buch vor.

Und das zu Recht. Denn zum Beispiel stellte Margret Rasfeld die Schulleiterin der ESBZ das Buch „Wie wir Schule machen: Lernen wie es uns gefällt“ vor, ein Gemeinschaftswerk von drei ihrer Schülerinnen, dass frisch bei Knaus erschienen ist. Ein ganz wunderbares Werk, das noch viel besser als Margret Rasfeld davon erzählt was diese Schule anders macht. Schüler bewerben sich dort nämlich selbst und bekommen ab der 7. Klasse die sogenannte „3-Wochen-Herausforderung“ gestellt. Hier müssen sie drei Wochen lang mit 150€ auf eigene Faust zurechtkommen. Es gilt sich zu vernetzen, eigene Ideen zu verwirklichen und sich so selbst und seine Fähigkeiten kennenzulernen.

Wunderbar und ein Vorhaben, was ich nur unterstützenswert finde. Denn wie wir ja schon im 31. ffluidcast mit Max Neufeind gelernt haben, geht es ja um das Selbstwirksamkeitsgefühl als ein entscheidendes Kriterium für die Anforderungen an die Arbeitswelt von morgen. Daher sind Schule und Bildung natürlich ein wichtiger Startpunkt. Doch genug von dem Beispiel aus dem Buch und der ESBZ, denn in dem Vortrag von Frederic danach geht es auch so richtig ans Eingemachte. Wie schafft man Organisationsführung ohne Führungskraft? Wie kommt eine hierarchielose Organisation in Krisenzeiten zurecht? Und was macht man eigentlich mit den Menschen, die sich nicht selbst führen wollen? Diese Fragen wurden auch im Anschluss an den gut einstündigen Vortrag gestellt und sind ganz wunderbar entspannt beantwortet worden.

„Wir glauben, dass unsere Organisation ein lebendiger Organismus ist, der seine eigene Energie hat, seine eigene Richtung und sein eigenes Ding was es hier in der Welt manifestieren will. (…) Unsere Rolle ist nicht mehr die ganzen Trends anzuschauen und Strategien zu erdenken. Unsere Rolle ist viel bescheidener: Wir hören zu, wohin unsere Organisation gehen will.“ (Min. 58:05 Frederic Laloux über Jos de Blok von Buurtzorg)

Mehrfach wies er drauf hin, dass sein erdachtes System der verschieden-farbigen Organisationsformen von Rot bis Blaugrün/ Teal nicht zu Schubladendenken führen sollte. Er sieht sich nicht als Anführer einer Bewegung, teilte sogar die Beantwortung der Fragen spontan mit einen aufmerksamen Zuhörer aus dem Publikum. Ein recht wirksamer Beleg dafür, wie gut Selbstführung funktionieren kann. Frederic Laloux ist natürlich trotz alledem eine Art Redensführer, schließlich spricht er über sein Werk und seine Ideen. Auch die noble Intention, nicht zu wertend mit dem Unterschied umzugehen, dass es „orangene“ Unternehmen gibt, die Menschen und Ressourcen aus Profitgier schonungslos ausbeuten und den zukunftsfähigen „blaugrünen/ teal“ Organisationen, die in Netzwerken und ohne Hierarchie organisiert sind und den Menschen in Selbstführung als Ganzen annehmen, ist schwierig. Denn natürlich ist der Wunsch, dass ein neues „überlegenes“ Konzept das bestehende „kranke“ System ablöst, ist einfach zu groß. Trotzdem, es ist wirklich beachtlich wie sehr er sich der Rolle des Heilsbringers, des Wissenden entzieht. Frederic der auch lieber auf kleineren, intimen Veranstaltungen spricht, als auf den großen Bühnen der Top Notch Konferenzen der Welt, stand stets mit bescheidener Miene auf Augenhöhe zum Publikum. Um echtes Verständnis bemüht, nicht um die Erhöhung des eigenen Hypecycles. Respekt.

Im Anschluß konnte ich auch kurz mit ihm sprechen, es ging um die Idee eines Eventformats für Teal-Organisationen, dass ich zusammen mit Florian und Anna von Mandalah plane. Das Feedback von Frederic war sehr hilfreich und an dieser Stelle kommt dann auch mehr zu dem Projekt. Ich war sehr froh zu Besuch bei der ESBZ gewesen zu sein und Frederic Laloux live erlebt zu haben.

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