Von der Sicherheit als Solopreneur zu leben

Schon nach meinem Podcast mit Carina vor ein paar Wochen wollte ich das Thema Productized Services stärker aufgreifen. Carina erzählte, wie wichtig es ihr ist, als Solopreneurin immer an mehreren eigenen Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Die Betonung liegt hier auf „eigene“ Projekte, also tatsächlich Produkte, die man selbst konzipiert, entwickelt und zur Marktreife bringt. Für die Kopfarbeiter und Dienstleister unter uns, genau dieser Prozess wird Productized Services genannt. Darunter versteht man nämlich das Entwickeln von Produkten aus einem eigenen Service. Dies lässt sich sehr gut an folgendem Beispiel erklären: Ein Productized Service ist die Weiterentwicklung eines Workshops, den man sonst persönlich durchführt, in ein Online Videoformat um so mehr Menschen weltweit und zeitunabhängig Zugang zu dem Wissen zu geben, das sie suchen. Zu schnell fällt man als Solopreneur sonst wieder in den Habitus des Freelancers, der Kunden hinterher jagt. Nicht, dass dies schlimm wäre, ich für meinen Teil mag die gelebte Hybridform der Kundenprojekte, Vorträge und der Welt eigener Projekte gerade ganz gern. Auf lange Sicht ist mir das allerdings zu anstrengend. Und ich muss zugeben, mein Soloreneurship ist einfach noch zu sehr in den Kinderschuhen, als dass ich davon leben könnte.

Fail, fail harder

Was also tun? Wie schafft man den Sprung in eine Einzelunternehmerschaft, die auch wirklich eine ist? Meine Antwort aktuell, ganz dem Tipp von Carina folgend, lautet: Viel hilft viel. Ich habe euch einmal die Übersicht meines Trellos angehängt. Aktuell gibt es 12 Projektideen, an denen ich arbeite. Dabei sind unter anderem mein Buchprojekt, Workshop-Formate, Kooperationen, Blogprojekte und insgesamt drei online Videokurse.

Meine Solopreneurship-Projekte-Übersicht. Im Grunde beginnt alles mit einem Canvas oder Google Docs.
Meine Solopreneurship-Projekte-Übersicht. Im Grunde beginnt alles mit einem Canvas oder Google Docs.

„Das ist doch Wahnsinn! Man muss sich fokussieren, um Erfolg zu haben!“ Ja, das dachte ich auch mal. Natürlich gibt es Phasen, wo absoluter Fokus wichtig ist. Bei Startups wäre dies ungefähr in Phase zwei oder drei, nachdem der Markt ansatzweise gefunden ist und der Bedarf ansteigt. Aber Solopreneure arbeiten generell anders. Denn ohne Funding, Team und große Kunden wird der Fokus auf das falsche Projekt sehr schnell zum Epic Fail und Game Over. Die einzige Möglichkeit ist sich das Mantra des Silicon Valley zu eigen zu machen: „Release early, release often. Fail, fail harder!“

Das Gute ist, als Solopreneur ist es wesentlich einfacher schnelle Tests zu fahren, Entscheidungen zu treffen und auch Projekte schnell aufzubauen. Es ist einfach nicht logisch nur einer Idee zu folgen, wenn man sich diese Erkenntnisse vor Augen führt. Zumal es mehr als unwahrscheinlich ist, dass die erste Unternehmung gleich funktioniert. Natürlich, wer mit Bloggen Geld verdienen will, der sollte bloggen. Aber warum sich auf das eine Projekt begrenzen oder nur ein Thema besetzen? Weitere Projekte als Berufsblogger können zum Beispiel auch Gastbeiträge sein, diverse Interviewformate wie Podcasts oder Vlogs auf Youtube oder der Aufbau einer eigenen Community. Es reicht einfach nicht, mit dem Wunsch Reiseblogger zu werden, die alten Urlaubsfotos zu verwursten und erst einmal das nächste Flugticket zu kaufen.

Train with the Lean Canvas

Deshalb ist die stetige Suche nach der Idee, die anzieht, genügend Interessenten, Leser und/ oder Kunden generiert und somit das Einkommen und den Erfolg der Solopreneurship sichert, unabdingbar. Denn echter Unternehmergeist ist es, sieben Mal zu fallen und das achte Mal aufzustehen. Aber es müssen ja nicht unbedingt sieben Versuche sein, bis es soweit ist. Deshalb gehört kontinuierliches Training bei der Ausarbeitung von Geschäftsideen, also dem Aufwärmtraining der Solopreneure, zu den Grundfähigkeiten.

Das Lean Canvas von Ash Maurya, der aus der Schmiede des Lean Startup Autors Eric Ries kommt, ist mein absolutes Lieblingstrainingsgerät dazu. Wieviele Projekte ich mit unzähligen Coworkern schon dazu angefangen habe zu denken, ich kann es fast nicht mehr zählen. Die Vorteile des Lean Canvas gegenüber dem herkömmlichen Business Model Canvas oder noch schlimmer eines Business Plans sind vielfältig. So ist es die Nummerierung die einem hilft zügig durchzukommen, die zielgerichtete Aufteilung mit der Frage nach Messwerten für den Erfolg des Projektes und der Frage nach dem unfairen Vorteil, etwas das die Konkurrenz nicht leichtfertig kopieren oder kaufen kann, die die Metrik des Lean Canvas meiner Meinung nach so erfolgreich macht.

Hier für euch mein Superhelden Canvas im PDF auf Deutsch, dass ich für das Superhelden-Training benutze und hier noch ein Link für ein Lean Canvas als Google Docs für das kollaborative Bearbeiten (bitte nicht vergessen zu duplizieren). Und hier natürlich der Weg zum Original Lean Canvas bei Ash Maurya.

Als Beispiel für ein Lean Canvas, hier einmal die Erarbeitung für das Karriereorientierungsprogramm Superhelden-Training

Conclusio

Was steht unterm Strich nun unter diesem Beitrag? Für mich war es ein wirklicher Erkenntnissprung, dass meine Vielprojekterei kein Zeichen von schlechtem Selbstmanagement ist, sondern eine wichtige Überlebenstechnik. Denn nur ein breites Projektportfolio bewahrt einen vor dem Absturz, wenn das heiß geliebte Hauptprojekt mal nicht so läuft. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass es unzählige Geschichten zu hocherfolgreichen Projekten von Solopreneuren gibt, die anfangs gar nicht so groß gedacht wurden. Für mich ist die Strategie dieses Solopreneur-Projektmanagements die bestmögliche Annäherung an ein sicheres, regelmäßiges Einkommen. Und es beruhigt ungemein, wenn es mal mit einem Projekt nicht so gut läuft. Es gibt ja noch 11 andere Projekte.

Fotocredits: Flickr, Sascha Kohlmann, Kaugummiautomat (CC BY-SA 2.0)

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10 Comments

  • Andrea
    8. Juni 2015 at 16:40  - Reply

    Meine Ideen schauen grad auch so ungefähr aus :D Projekt #2 launche ich im September, mein E-Book soll spätestens im Januar erscheinen, zusammen mit einem Coaching-Angebot. Zudem schreibe ich Gastposts und arbeite noch als Virtual Assistant ;)

    Ich liebe das Dasein als Solopreneur :)

    Bin gespannt, wie sich Deine Ideen weiterentwickeln!!

    Alles Liebe
    Andrea
    (Coachee von Carina ;)

    • Jormason
      8. Juni 2015 at 16:48  - Reply

      Yeah. Dank dir für den Kommentar liebe Andrea. Das hört sich doch mega konkret an, sehr gut.
      Im Grunde halten mich ja meine freien Beratungsjobs eigentlich davon ab Solopreneur zu sein. Aber Brotjobs sind wichtig. Klingt auch sehr ausgewogen bei dir.
      Und sehr schönes Blog hast du da. Selbst- und Zeitmanagement ein wichtigstes Thema. Passt ja perfekt. :)

  • Henning
    8. Juni 2015 at 17:24  - Reply

    Danke für den „Anstoß“ auf Facebook. Ich vertrete da ja – auch als Solopreneur – eine leicht differierende Ansicht. Die Betonung liegt auf „leicht“. Grundsätzlich hast du natürlich Recht, steht es sich auf zwei besser als auf einem Bein.

    Also Solopreneur ist man alleine. Der Tag hat 8 Stunden und die Woche 5 Tage. Mit diesen Ressourcen muß man wirtschaften und schauen, was man in dieser Zeit als One-Man-Show Produktives erschaffen kann. Am Ende – und in überschaubarer Zeit – soll ein Produkt entstehen, welches sich langfristig ausbezahlt.
    Liest man in der Presse von Serial Entrepreneuren, sind dies nicht unbedingt auch Serial Solopreneurs. Dein Superheldentraining ist für mich 1 Projekt. Dein ffluid-Blog ist ein Weiteres. Beide Themen sind in sich geschlossen und stellen ein klar erkennbares Produkt dar.

    Von daher ist die Frage zu stellen, was „Projekte“ sind. Sind es Milestones eines Produktes, sind es m.E. keine Projekte.

    Abschließend: Ich für meinen Teil finde ein toll umgesetztes und durchdachtes Projekt immernoch besser als 5 halbfertige. Aber dabei spielen ja auch immer die jeweiligen Rahmenbedingungen eine entscheidene Rolle.

    • Jormason
      8. Juni 2015 at 17:32  - Reply

      Jep. Sehr gute Gedanken. Oh man stimmt, ffluid ist natürlich noch ein weiteres Projekt und der ffluidcast sowieso. Und richtig ist natürlich, das alles was auch live geht gut ist und nicht nur gedacht wird. Ich spreche ja sehr früh über Projektideen, daraus ergeben sich entweder andere Facetten der Zusammenarbeit oder manchmal schläft es auch ein.
      Ich weiß gar nicht ob ich da jetzt eine klare Definition brauche. Im Zuge des Blogposts könnte ich sagen, nur ein Productized Service ist auch ein Projekt das sich weiterzuverfolgen. Aber dann wären Kooperationen nicht mir drin und das eine oder andere Workshopformat. Und die sind mir tatsächlich wichtig und meistens die Grundlage für alles weitere. Aus meinem betahaus Sales Rockstars Kurs habe ich erst die Idee für ein Porjekt entwickelt, was bald online geht – der ffluid Sales Video Kurs. Naja, vor allem ist es schon echt viel gerade. Es könnte sich gerne mehr lohnen und etwas weniger werden mit der Vielprojekterei.

  • Tim
    8. Juni 2015 at 19:28  - Reply

    Es gibt vögel die 4 Eier ausbrüten, manche nur 2.
    Ich bin eher ein Kuckuck Typ. Ich versuche meine Ideen bei anderen im Nest zu plazieren *)

    • Jormason
      8. Juni 2015 at 21:22  - Reply

      Haha, yeah. Love it. Kuckuckpreneur. Sehr genial. :)

  • Sabine
    8. Juni 2015 at 21:44  - Reply

    Cool, mal einen Blick in dein Superhelden Canvas erhaschen zu können ;o)

    Ich mag es auch, viele verschiedene Projekte zu verfolgen, so wird es mir nicht langweilig.
    Das geht auch prima, so lange ich meine Selbstorganisation im Griff habe. Wichtig finde allerdings auch, einen roten Faden zu haben, der die Projekte miteinander verbindet.

    In diesem Sinne: Weiterhin viel Vergnügen bei all deinen Vorhaben.

    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Jormason
      8. Juni 2015 at 21:49  - Reply

      Oh ja und manchmal kann es echt schwer sein, diesem roten Faden zu folgen. Dann gibt es allerdings diese wunderbaren Momente, wo man sein Nähkästchen öffnen kann und gleich 8 der 10 fehlenden Puzzleteile einfügen kann. Herrlich.

  • Jakob Schulz
    11. Dezember 2015 at 08:41  - Reply

    Nun ist der Blogpost schon etwas älter, nichtsdestotrotz trifft er genau die Fragestellung, mit der ich konfrontiert bin. Wie stelle ich mich für eine zukünftige Selbstständigkeit auf? Und mit welchem Mindset gehe ich an die Projekte heran? Sehr pfiffig: Mir gefällt der „unfaire Vorteil“, da braucht man dann keinen USP mehr ;-)

    Vielen Dank jedenfalls für die Einblicke!

    Beste Grüße aus Wien,
    Jakob

    • Jormason
      11. Dezember 2015 at 09:08  - Reply

      Dank dir Jakob für den Kommentar, ja der unfaire Vorteil ist super. Ja das ist eigentlich ein schöner Gedanke, wenn die unwiderruflichen Meilensteine die man erreicht hat stehen, definiert sich der USP stark darüber. Allerdings kann man es ja auch andersherum machen, sich erdenken für was man stehen will und es sich dann erarbeiten. :)

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