Vom Kopf ins Herz über die Hand zum Produkt

Für den 30. ffluidcast habe ich den Schritt in den für mich wirklich sehr spannenden Bereich des Design Thinking gemacht. Vor dem Mikrofon für euch Daniela Marzavan, Dozentin an der HTW Berlin für Design Thinking und Gastdozentin an der Bauhaus Universität Weimar und der Elisava Barcelona.

Danielas Arbeit als Expertin für Design Thinking führte sie schon zu spannenden Stadtentwicklungsprojekten nach Abusir, Ägypten oder Bukarest, Rumänien. In unserem Gespräch führte sie anschaulich ihre Sichtweise zu dem Fundament von Design Thinking, nämlich der Empathie aus. Denn Design Thinking, so Daniela, lässt sich nicht erfassen mit einem dreitägigen Bootcamp. Es ist ein Ansatz, der von Interdisziplinarität und von Dialog lebt. Wir diskutierten einige Zeit über die ersten Phase von Design Thinking Projekten, der Problemanalyse. Diese ist Daniela’s Meinung nach unglücklich benannt. Im ersten Schritt geht es ihr nicht darum Probleme zu suchen, auf die es wohlmöglich Lösungen geben muss, sondern darum menschliche Bedürfnisse zu entdecken.

In Bukarest mit Management scheitern

Ein schönes Beispiel für die Wichtigkeit der Bedürfnis-Schatzsuche im Design Thinking, ist der Kurs den Daniela während der Romanian Design Week in Bukarest gegeben hat. Wo anfangs noch großes Interesse der möglichen Teilnehmer bekundet wurde, blieben im ersten Anlauf die Anmeldungen aus. Der Grund: Es wurde versucht den Bukarestern mit der sonst üblichen Managementsprache Design Thinking zu verkaufen. Es war von Business Cases, Innovation und Benefits die Rede. Erst als aus einem festen Plan das offene Konzept eines Design Thinkers Temporary Studio wurde, dass zur Gestaltung einlud, kamen die Bukarester. Der Plan war es gibt kein Plan und was dabei herauskam, war näher an den Bedürfnissen der Teilnehmer dran als alle Programme vorher. Die Bukarester wollten sich nämlich mit ihrer Stadt und ihrer Nation beschäftigen. Es ging also um Country Branding und die Identität des Volkes der Rumänen. Dieses Thema der Social Innovation, wäre mit einem festen Curriculum wohl nicht entstanden.

Bis du zu den wirklichen Touchpoints kommst, ist ein umfangreicher Mapping-Prozess wichtig. Es erfordert die Neugier eines Fünfjährigen und es gilt die eigenen Annahmen für nicht so wichtig zu erachten. Denn wer denkt „Ach das weiß ich doch schon längst“ der schneidet sich ins eigene Fleisch.
Daniela Marzavan

Das Branding Design Thinking

Natürlich sprachen wir auch über Definitionen und Hype im Bereich Design Thinking. Hier zitierte Daniela eine Kollegin, die ein schönes Bild dafür nutzt: Design Thinking gibt es in zwei Schreibweisen, einmal großgeschrieben und einmal kleingeschrieben. Design Thinking groß geschrieben ist quasi die Marke die David Kelley in Stanford und mit seiner Agentur IDEO etablierte und somit das Thema auch für die Wirtschaft und den Mainstream sexy machte. Und dann gibt es design thinking kleingeschrieben, dass erstmals 1991 auf einem Symposium an der TU Delft in den Niederlanden aus der Forschung genannt wurde. Im Grunde, so Daniela, sei Design Thinking also keine amerikanische Erfindung aus San Francisco, sondern eine amerikanische Vermarktung aus San Francisco.

Warum bunte Postits und Design Thinking nicht zusammengehören

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt für Daniela ist die Erkenntnis, dass „teures Plastikzeug“ wie sie es nennt, dem Design Thinking nicht gut tut. Zwar gönnt sie jedem eine bunte Postit-Schlacht in Kreativ-Workshops, aber für sie gehören diese Werkzeuge nicht zu dem Prinzip des Human Centered Design. Denn wenn man in Kigali, der Hauptstadt Ruandas mit superteuren Postits, Eddings und Equipment arbeitet, dann schafft man Machtverhältnisse. Es fühlt sich für viele Teilnehmer dann so an, als könnten sie diese Arbeit nicht alleine umsetzen, weil sie es nicht „richtig“ machen, ohne superteures Plastikzeug. Ihr Aufruf daher an alle, die das lesen und im Podcast hören: „Geht vor Workshops doch einfach mal auf die Müllhalde!“. Mit improvisierten Werkzeugen wird der Mensch viel mehr herausgefordert. Das unausgesprochene, implizite Wissen offenbart sich so viel schneller und es macht außerdem viel mehr Spaß. Letztlich ist es auch genau dieser Schritt der Design Thinking so erfolgreich macht, letztlich geht es darum das die Idee von dem Kopf, ins Herz, über die Hand in etwas Greifbares über geht.

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