Von Selbstwirksamkeit und neuer Arbeit

Max NeufeindSich mit Max zu unterhalten ist wirklich angenehm, kein Hype, keine überzogenen Floskeln, stattdessen wohlüberlegte und kluge Argumente. Also im Grunde das Gegenteil von mir. Aber, es muss ja immer beide Seiten geben, und wenn diese zusammenkommen, wie im neusten ffluidcast, entfacht sich natürlich ein besonderes Feuerwerk. Und deshalb brauchten wir dafür auch nur 20 Minuten und ja es ist die Nummer 31 und nicht die Nummer 30. Ladies first, Daniela hat diesen besonderen Slot bekommen. Aber ich feiere jetzt trotzdem mal mit euch drei Jahre und dreißig Folgen ffluidcast. Wenn ihr es noch nicht gemacht habt, abonniert doch meinen Podcast auf iTunes unter dieser Frequenz und an alle Androiden, hier ist der Channel auf Soundcloud.

Doch nun zum Thema. Ich habe Max auf dem New Work Panel der diesjährigen re:publica gehört und mich Anfang Juni dann mit ihm zu Sushi bei bestem Berliner Wetter zum Plausch verabredet. Max Neufeind ist Policy Fellow bei dem Think Tank Das Progressive Zentrum und Mitinitiator des vom Progressiven Zentrum und der Friedrich-Ebert-Stiftung getragenen „DenkraumArbeit“.

Das Soziale innovieren

Zu allererst interessierte mich seine Einstellung zu den Buzzwords New Work, digitale Transformation und Arbeit 4.0. Brauchen wir solche Säue und müssen wir diese durchs Dorf treiben? Max antwortete, dass die ganze Diskussion um die digitale Transformation ja erst Fahrt bekommen hat durch die Schaffung des Begriffs Industrie 4.0. Er meint, es war sicherlich hilfreich um die Diskussion zur Digitalisierung einen Schub zu geben hierzulande. Aber ihm ist wichtig zu betonen, dass die Diskussion nicht bei der Technik aufhören kann, sondern hier erst anfängt:

„Die letzten zwei Jahre haben wir eine Diskussion geführt, die sehr stark technik-getrieben war. Es ging vor allem darum, wie wir die Chancen von Industrie 4.0 für den Standort Deutschland nutzen können und was das für die Unternehmen hier heißt. Es ist relativ wenig darüber gesprochen worden, was das mit den Arbeitsbedingungen macht. Dabei wandelt nicht nur die Technologie, auch die Ansprüche der Menschen verändern sich. Die entscheidende Frage ist: Wie können wir die technologischen Möglichkeiten so nutzen, dass mehr Menschen ihre eigenen Fähigkeiten einbringen und sich selbst entfalten können.“ Max Neufeind, Das Progressive Zentrum

Agreed. Und es erinnert mich ein wenig an Andrew Mc Affees „It’s not not not about the technology“ aus dem Enterprise 2.0 Hype aus dem Jahr 2007. Erst kommt die Technologie, die die Veränderung bringt, dann folgt die Frage danach, wie sich der Mensch verändern sollte. Und so waren wir dann auch schnell bei dem Thema Generation Y, der Diskussion um Generationen und um Führung. Denn es ist schon etwas Besonderes, so Max, dass es zum ersten Mal eine Gruppe jüngerer Menschen gibt, die in der Lage ist die Ansprüche Freiheit und Selbstverwirklichung laut zu artikulieren und die auf Organisationen trifft, die bereit sind auf diese Ansprüche einzugehen und Arbeitsumgebungen zu schaffen, die diesen Rechnung tragen.

Doch natürlich gibt es eben nicht nur die Gen-Y Freigeister, die ihr digitales Nomadentum in die Büros der DAX 30 tragen, sondern auch immer noch den normalen Angestellten, dem Sicherheit und ein regelmäßiges Einkommen wichtig ist. Und hier ist natürlich die Frage, wie Führungskräfte mit diesen ganz unterschiedlichen Ansprüchen umgehen sollten.

Selbstwirksamkeit erleben

Ein sehr schönes Wort, das Max während des Podcastinterviews nannte, ist Selbstwirksamkeit. Denn auf die Frage wer diese Art von Bedürfnissen, der sogenannten Gen-Y entwickelt, sagt Max, das habe viel damit zu tun, ob man in der Lage war in seinem Leben ein Selbstwirksamkeitsgefühl zu entwickeln. Also die Bestätigung der eigenen Person. Wenn Menschen das haben, dann sind sie auch in der Lage Risiken einzugehen, dann haben sie Lust auf Freiheit und Innovation und wollen vielleicht selbst etwas starten. Aber da viele Menschen dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit nicht haben, ist die gesamtgesellschaftliche Herausforderung laut Max größer als Wochenendworkshops für Selbstoptimierung und Selbstmanagement. Institutionen, die das gut machen, seien zum Beispiel Rock your Life, die Chancen und Perspektiven für bildungsbenachteiligte Jugendliche entwickeln.

„Der technologische Wandel wird uns nicht gelingen, wenn wir nicht das Soziale im gleichen Maße innovieren.“ Max Neufeind, Das Progressive Zentrum

Sehr schön finde ich den Vergleich der Ku’damm- und Neukölln-Arbeitswelt in Bezug auf die Erörterung des Arbeitsalltags der Zukunft und der Schere, die aktuell droht aufzugehen. Denn es gibt bereits erhebliche Unterschiede in der Arbeitskultur und den Anforderungen für moderne Arbeitsplätze. Die App-Entwickler, Startup-Founder und Hipster Guys und auf der einen der Rest auf der anderen Seite. Interaktives, vernetztes Arbeiten mit unterschiedlichsten Kulturen, ist kein Skillset für das wir Deutschen berühmt sind, so Max. Hier fehlen Bildungsangebote und die Bereitschaft das zu lernen. Was für ein wichtiges Schlusswort, ich freue mich auf eine Fortsetzung des Gespräches.

Show Notes

Zukunft der Führung, Prof. Peter Kruse

The Future of Employment, Frey & Osborne

Share Post :

More Posts

Schreibe einen Kommentar