Netzwerken heißt im Netz wirken

Der Begriff des Netzwerkers fällt in der geschäftigen Welt von Menschen mit Visitenkarte und Xingprofil oft. Leider meint man dann, der als Netzwerker bezeichnete Mensch würde besonders einflussreich sein wegen der vielen Kontakte die er har. Es spricht nichts dagegen nach Veranstaltungen die Menschen die man dort im Gespräch getroffen hat auch auf dem Social Network seiner Wahl um einen Handschlag zu bitten, aber Kontakte sammeln heißt nicht gleichzeitig gut vernetzt zu sein.

Leider habe ich hierzulande nur sehr wenig gute Netzwerker getroffen. Die meisten Menschen auf sogenannten Netzwerkevents missverstehen nämlich die Rolle des Netzwerkers. Denn was nützt es überhaupt, wenn Menschen nur besonders viele Kontakte haben? Manchmal glaube ich die kleinen Avatare unter der Sektion Freunde bei Facebook oder die Anzahl der Verbindungen die man auf Xing zu einer Person hat, erfüllen den Zweck eines digitalen Quartetts. Hobby: Kontaktesammler. Doch das hat nicht auch nur das geringste mit den Fähigkeiten eines Netzwerkers zu tun.

Und jetzt zäume ich das Pferd mal von hinten auf. Dazu ein bildhaftes Beispiel. Stellen wir uns ein Startup Event in Berlin vor, wo ein gesprächiger und stolzer Berliner Gründer in einer Ecke und ein überaus lebensfroher aber etwas fehl platziert wirkender Schwabe auf Besuch in der Hauptstadt in der anderen Ecke viele Hände schütteln. Während der Berliner Founder mit Anglizismen wie „Funding, Stealth Mode, Exit, Business Model und Hire“ um sich schmeißt und eine Visitenkarte nach dem anderen austeilt, schwätzt der Schwabe über’s Spätzle schaben und entdeckt bei fast allen Gesprächspartnern Verwandte in der Familie die aus südlichen Gefilden der Republik kommen. Nach weiterem Nachbohren bei zweien die Verwandte in Reutlingen haben, finden sich sogar alte Grundschulfreunde in seiner Gegenwart wieder. Die anschließende Verabredung zum gemeinsamen Spätzle essen folgt per Zettel und Kuli, der Schwabe hat seine Visitenkarten vergessen.

Es ist die Fähigkeit andere Menschen zusammen zu bringen, zu erkennen welche Themen in einem Gespräch zu dritt angeschnitten werden müssen damit sich die beiden anderen interessiert unterhalten, die einen echten Netzwerker auszeichnen. Es geht darum bei den Mitmenschen Puzzleteile zu erkennen die zueinander passen und um die Freude daran wenn man sie gefunden hat. Netzwerker bringen Menschen zusammen, sie arbeiten mit ihrem Netzwerk. Und jetzt kommt das Wichtigste, sie verlangen keinen Lohn dafür.

Es gibt keine Gefallen die man einfordern kann wenn echtes Netzwerken funktionieren soll. In meinem zugegeben ekelhaft stereotypischem Beispiel wird der Berliner Founder nach dem Abend die eingesammelten Visitenkarten abwägend auf den Schreibtisch flippen und alle Kontakte unter C-Level nicht mehr aufheben. Den der arme Tropf denkt, je mehr Kontakte mein Gegenüber hat, desto einflussreichster ist er. Je mehr Status, desto mehr Kontakte, desto mehr Einfluss. Der Schwabe hingegen hat den Zettel mit der Nummer seiner Gesprächspartner längst in dem Jacket was er nach dem langen Abend in die Reinigung gegeben hat vergessen. Aber die mündliche Verabredung mit den beiden Ex-Reutlingern steht. Nach ein paar Gläsern Rotwein wird plötzlich klar, die Nachfrage nach Wecken in Berlin ist so stark das die drei die Schwabenbäckerei gründen bei der auch später sogar Wolfgang Thierse einkaufen geht.

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