Alte Netzelite und verlorene Snapchatjugend?

Für meinen dreizehnten Podcast ging es spontan in die Chillout-Ecke des betahaus Hamburg mit Ruben zum Thema Netzelite vs. Generation Youtube. Mit dem Blogpost „Das Web zurückerobern“ von Johnny Häusler, einem der Netzurväter der Blogger des Landes, wurde eine Diskussion losgetreten die diese Woche ihren vorläufigen Höhepunkt nahm. Mit dem Posting „Wachablösung, die Dotcom Generation wird alt“ hat Martin Weigert, einer der Jungstars der Blogosphäre gegen Johnnys Blogpost argumentiert. Das inspirierte gewaltig. Bereits diesen Mittwoch diskutierte ich dann eifrig mit Ruben über die Themen Medienkompetenz und Erziehung im Netzzeitalter und darüber ob es das freie Internet überhaupt noch gibt oder geben muss.

Technologie verändert das Verständnis des Menschen zu unumstösslich scheinenden Soheiten des Alltags. Ruben spricht zu Anfang über das in meinen Augen unsägliche Buch „digitale Demenz“ von Manfred Spitzer, wo dieser fragt ob Navigationssysteme dem Menschen die Orientierung nehmen. In unserem Gespräch kommen wir dahin, dass Entwicklung immer heißt Veränderungen zu akzeptieren. Oder mal etwas frech in diesem Zusammenhang gefragt: möchte jemand von euch die Spülmaschine zu Hause missen, habt ihr Angst motorische Fähigkeiten durch das Abspülen mit der Hand einzubüssen? Es nützt nix zu mosern, wir müssen lernen mit Veränderungen umzugehen. Zum Beispiel mit der Informationsflut die einen im Netz überfällt, eine ausgeprägte Fähigkeit zur Recherche und die Entwicklung von Empathie für das digitale Gegenüber ist dafür äußerst wichtig.

Ergebnisse einer Umfrage des bernetblog.ch

Die Entwicklungen die Johnny Häusler beklagt, dass zunehmende Liken, Retweeten, Kommentieren hinter den Schrägstrichen anderer Services, die Appisierung und Portalisierung des Netzes ist nicht mehr aufzuhalten. Dienste wie Whatsapp oder das aktuell in den Staaten gehypte Snapchat ;werden rasend schnell von der Jugend angenommen. Es geht mehr um den Moment des schnellen Austausches, der direkten Kommunikation gefangen in einer App, einem Whatsapp-Gruppenchat. Niemand der Generation Youtube diskutiert hochgestochen auf Googleplus, ja sogar Facebook scheint bei einigen den Reiz zu verlieren.

Beispiel gefällig? Als ich zwecks einer Vortragsreihe in der Schweiz unterwegs war, habe ich mich mit den Userzahlen von Facebook in der Alpenrepublik auseinandergesetzt. Interessant ist, dass die Zahlen bei Jugendlichen unter 15 seit Mitte 2012 rückläufig sind, diese ziehen Whatsapp und Fotocommunities vor. Als ich mich vor Ort mit Jugendlichen unterhielt, bekam ich auch die Auskunft, dass die schweizerischen Lehrkräfte den Schülern von Facebook abraten. Zu unsicher soll das blaue Netzwerk sein.

Tja, was nun? Apps sind In, der schnelle Austausch ist gefragt. Wird der wirkliche Austausch, das Meinungsbildende Medium Blog im Netz überleben und überhaupt noch Anhänger finden?

Passend dazu fragen Ruben und ich uns, ob denn die Kritik an Social Media wirklich repräsentativ ist? ;Kann man denn schon davon sprechen ob der Umgang mit Foursquare, Twitter und Facebook wirklich im Mainstream angekommen ist? Bei den Schweizern nicht wie wir jetzt gelernt haben und nehmen wir Location Based Services (Foursquare) oder Microblogging Dienste (Twitter), so sehen die Zahlen in Deutschland nicht wirklich berauschend aus.

Wir kamen aber zu der durchaus positiven Conclusio, dass der Geist des Ausprobierens und die Hackermentalität nicht verschwinden wird. Wer sich für eine Sache interessiert hat heute mehr denn je die Möglichkeit sich zu informieren, Gleichgesinnte zu finden und darüber im eigenen Blog zu berichten. Es kommt halt darauf an, dass wir eine Umgebung schaffen, die dazu anregt und Lust darauf macht zu experimentieren. Diese Lust aufs Neue, den großen Weiten des Netzes sollte keine Dämpfung erfahren von denen die Zeit Ihres Lebens dafür gekämpft haben. Wir sollten der Internetgeneration der Zukunft Mut machen zu Meinung und dem Interessanzdiktat zu folgen wie es Sascha Lobo einst ausdrückte. Also, lasst uns diesen Weg bereiten und bitte teilt eure Ideen zu diesem Thema.

P.S. Ein entscheidender Beitrag dazu liefert übrigens das Buch Netzgemüse von Tanja und Johnny Häusler.

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