Feelgood für Deutschland

Was war das für ein Fest. Ein Fest für die kollaborativen, fluiden Arbeitsformen der Zukunft. Theoretisches Gerede darüber wie es laufen könnte hatte keinen Platz, ich hörte super dichte Erfahrungsberichte von den Mitarbeiterinnen, die täglich dafür Sorge tragen das die Kultur, das richtige Gefühl und somit die Leistung ihrer Unternehmen stimmt. Ich war zu Gast bei Jimdo, die zum ersten Meetup der Feelgood Manager dieses Landes einluden.

Als Evangelist für den Arbeitsplatz der Zukunft und Befürworter agiler Arbeitsmethoden habe ich schon viel von Jimdo gehört, bei meinem letzten Besuch vor ein paar Monaten durfte ich Magda, die Feelgood Managerin von Jimdo ja auch schon kennenlernen. Das Bild wurde aber in der Runde hervorragend erweitert durch Gitta Blatt, Head of HR bei dem Spielehersteller wooga (ja das waren die mit dem lila „W“auf den Jutetaschen bei der re:publica dieses Jahr) und Stefanie Häußler, Feelgood Managerin bei spreadshirt, dem Erfolgsstartup in Sachen customized Shirts. Natürlich saß auch Jimdo Gründer Fridel Detzner mit in der Runde.

 

Großartig moderiert wurde das Panel von brand eins Technologie Korrespondent Thomas Ramge, der zwar durch seine kritischen Zwischenfragen die Damen nicht aus der Ruhe zu bringen vermochte, aber umso besser die Berater- und Journalistenkollegen auf der anderen Seite des Panels mit einbezog. Ich freute mich durch sehr gute Beiträge von Yvonne Neubauer, Tobias Kärcher und Slaven Marinovic. Ich bezog Platz direkt neben dem Lautsprecher um die Diskussion für euch auf einem Podcast festzuhalten. Keine Sorge liebe Audio-Muffel, die Aufnahme ist durchaus hörbar.

An alle Personaler und Manager, bitte macht es zu eurem Pflicht-Hörspiel, legt die Flitze Feuerzahn Kassetten weg und hört euch an was die drei Damen zu sagen haben. Ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass in den extrem dichten Erfahrungsberichten alles drinsteckt was man zur Einführung eines Feel Good Managements in einem Unternehmen braucht. Folgende Punkte wurden in der Runde besprochen: Was macht ein Feel Good Manager? Welche Skills muss man als Feel Good Manager mitbringen und worauf kommt es an? Was verändert sich durch das Feel Good Management im Unternehmen? Sieht es hinter den so voller Spaß klingenden Kulissen der jungen Unternehmen wirklich so rosig aus?

If it’s not fun, what’s the point about doing it?

Firmenmotto von Ben & Jerrys, zitiert von Thomas Ramge

In den für mich wichtigsten Zitaten, führe ich euch in diesem Blogpost durch den Abend. Der Podcast ist gekürzt, leider waren die Publikumsfragen und Einwürfe nicht zu verstehen, aber dies tut der Qualität des Inhaltes keinen Abbruch.

Wenn wir merken, dass ein Spiel auch wenn es noch so erfolgreich ist eine Wachstumsgrenze erreicht hat, fackeln wir nicht lange mit weiteren Investitionen um zu sehen ob wir es noch gepusht, gepolisht und auf den Kurs zurück kriegen, sondern handeln verhältnismäßig schnell, weil wir der Meinung sind, dass wir gute Leute an Bord haben die es verdient haben an den Top-Themen zu arbeiten. Und sobald ein Thema kein Top Thema mehr ist, versuchen wir ein neues zu bringen, damit die Challenge für die hochmotivierte Talente permanent erhalten bleibt.

Gitta Blatt, Head of HR, wooga

Geradezu als großartig empfinde ich diese Einstellung zu Geschäftsmodell und Mitarbeiterentwicklung. Natürlich ist es mit am schwersten die guten Leute zu motivieren und an Bord zu halten. Eine hervorragende Firmenkultur kann viel dazu beitragen, aber wenn das Produkt an dem man baut eine Qual ist und man als Entwickler keine Fortschritte sieht, nützt das alles nicht viel. Gitta führt übrigens ein Team von über 18 Mitarbeitern (!), bei einer Gesamtgröße von 250 Mitarbeitern. Das ist das richtige Zeichen, echte Personalarbeit und Feel Good Management braucht auch genug Menschen die sie ausführen. Ich kann kein Unternehmen ernst nehmen, wo der CEO sagt wir brauchen neue Talente und dann aber der völlig überforderten Assistentin alleine die ganze Personalarbeit auflastet.

Wir finden es falsch das es zu generalisieren und zu sagen „Du bist jetzt in dieser Stufe und darin gut“. Wenn du ein offeneres Format hast, hast du jemanden der ist technisch gut, jemand der holt gut Leute ab, jemand der passt gut auf Leute auf, es ist ein vielfältigeres Bild. Und das nicht festzuschreiben ist gut, weil es auch allen eröffnet sich weiterzuentwickeln und das Ganze so flüssiger bleibt.

Fridtjoff Detzner, Founder, Jimdo

Hier spricht mir Fridel natürlich aus meiner fluiden Seele. Diese Aussage kam als Antwort auf die Frage, ob es nicht utopisch sei zu behaupten Jimdo käme praktisch ohne Hierarchien aus. Diese Art der leistungsbezogenen Betrachtung von Arbeit, ist DAS Kernelement der Arbeit der Zukunft. Menschen haben unterschiedlichste Begabungen, diese zu fördern und zur richtigen Zeit und an der richtigen Stelle mit Ihnen zu arbeiten, das macht den großen Unterschied zu herkömmlicher Führung aus. Eine großartige Erkenntnis, vor deren konsequenter Umsetzung Jimdo wirklich Respekt verdient hat.

Ich finde es lustig, dass wir hier sitzen und Menschen die in einem Unternehmen arbeiten und die sich darum kümmern das es den Menschen im Unternehmen gut geht, als innovatives System besprechen, was es leider Gottes ist. Und Gitta sagt schon fast entschuldigend „Wir sind keine normale HR-Abteilung, denn wir kümmern uns auch um die Menschen“ was auch leider war ist. Das zeigt eigentlich recht gut welchen Stand wir hier in Deutschland haben (…).

Tobias Kärcher, Blogger, wollmilchsau.de

Ne, das ist nicht lustig Tobi, verdammt traurig ist das! Aber ein großartiges Zitat aus der Runde wie ich finde, mit dem ich diesen Blogpost nun schließe. Es waren große Ideen und Konzepte die bei Chez Sam in den heiligen Hallen von Jimdo ausgetauscht wurden. Für mich war es ein Meilenstein der modernen Unternehmensführung. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Organisation und die Einladung liebe Svenja. Und wie gesagt liebe Leser, hört euch den Mitschnitt an und dann gibt es nächste Jahr kein Panel, sondern ein Barcamp der deutschen Feelgood Manager. Vamos?

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