Jobinnovator schmiedet die Blaupause für die Digitalisierung Deutschlands

Als ich Anja Dehghan und Maria Gerono zum ersten Mal traf, verabredeten wir uns zu einem Interview über mein Superheldentraining für ihr Blogazine auf Jobinnovator.de. Natürlich war es da Ehrensache, dass wir uns zum ffluidcast vor ein paar Wochen trafen. Ich bin froh, dass es etwas gedauert hat, denn die aktuellen Neuerungen bei ihrem HR-Startup Jobinnovator sind wirklich super spannend. So sprechen wir unter anderem darüber, was genau am Gründen manchmal so schwierig ist, warum ich eventuell doch nicht mit meinen Abi-Abschluss-Kollegen ein Unternehmen gründen werde und wie die Blaupause für die Digitalisierung des Arbeitsplatzes der Zukunft aussehen kann.

Warum wird eigentlich immer der gleiche Job ausgespuckt bei der Jobsuche?

Mit dieser Frage fing Ende 2014 alles an. Anja und Maria wollten beide aus der Babypause wieder in den Job zurück und unterhielten sich als Kommunikationswissenschaftlerinnen mit Berufserfahrung im Bereich Medien und Film darüber, warum sie einfach keine Stelle in den Jobbörsen finden konnten, die ihren Anforderungen entsprach. Dabei gab es doch Jobs die alle Kriterien erfüllten die sie sich wünschten. Sie wußten es, da sie Freunde hatten, die in diesen Jobs arbeiteten. Die Lösung für gewiefte Gründerinnen wie Anja und Maria, konnte da natürlich nur der Startschuss für ein eigenes Unternehmen sein.

Im November 2016 ging die Suchmaschine Jobinnovator.de live. Für die Entwicklung ihres Crawlers, also das Programm, das unterschiedlichste Karriereseiten von Unternehmen  durchsucht, haben sie viel Zeit gebraucht und ordentlich Entwicklerstunden investiert um Begrifflichkeit und Textbausteine zu erarbeiten und um Ordnung reinzukriegen in die angezeigten Ergebnisse. Im Podcast sprechen wir viel über ihre Customer Development Journey, ihren Gründungsprozess und wie sie die Brücke zwischen den Bedürfnissen der verschiedenen Zielgruppen schlagen.

Die Customer Development Journey von Jobinnovator

Bei allen Hürden und Anstrengungen die Anja und Maria bei der Gründung und dem Going Live und Deployment von Jobinnovator hinter sich brachten, gefällt mir wirklich sehr, dass sie für ihre Idee immer noch zu brennen scheinen, wie beim ersten Tag: Es muss bessere Möglichkeiten der Jobsuche geben. Und was man den beiden anmerkt, ist dass sie wahnsinnig gern zusammen arbeiten. Doch ich habe tiefer nachgebohrt. Aus meinen Coachings für Sales und Growth Hacking für Startups in Accelerator-Programmen und für das direkt Training mit Startups, habe ich die Erfahrung gemacht, dass man sich definitiv und unabänderlich von der Anfangsidee entfernen muss. Das sind die berühmten Pivots, die Strategiewechsel für Startups und diese tun oft ziemlich weh.

„Ein Problem, dass sich immer stärker gezeigt hat, ist der Spagat zwischen den Bedürfnissen der Bewerber und der Position der Unternehmen, bei denen wir teilweise noch stark missionieren müssen. Aber missionieren und verkaufen geht einfach schlecht zusammen. Unsere Plattform darf nicht zerrieben werden zwischen diesen unterschiedlichen Bedürfnissen. Sie soll weiter wachsen und immer besser werden. Damit das gelingt, muss der User im Fokus bleiben.“ Maria Gerono, Gründerin Jobinnovator

Mein Lieblingsbild für den Pivot-Struggle, ist der Customer Development Cycle von Steve Blank, dem Urvater der Lean Startup Theorie auf dem alle modernen Startups aufsetzen. Dieser vier-Schritte-Prozess besagt, dass ein Startup zuerst die Hypothesen um den möglichen Kundennutzen validieren und verifizieren muss, bevor es in die Phase des Aufbaus von Kunden geht. Und erst danach folgt der wirkliche Aufbau des Unternehmens, dass berühmte Scaling. Hier eine Übersicht des Prozesses:

Übersicht des Customer Development Prozesses von Steve Blank
Übersicht des Customer Development Prozesses von Steve Blank

Zu erst haben die beiden gedacht, dass sie mit Transparenz einen Markt schaffen können, der die Nachfrage erhöht und somit auch die Stellenanzeigen an sich verbessert. Es war und ist schon auch ein wenig Idealismus im Spiel, was nicht unwichtig für den Gründungsgedanken ist. Doch sie merkten schnell, dass sie nicht auf alles Einfluss haben und eventuell ein wenig zu früh am Markt sind für die ganz große Revolution. Und natürlich kommt auch die Frage auf die Monetarisierung auf, letztlich haben Anja und Maria bei ihren Usern angefangen und Nutzerdaten, demographische Insights erhoben und die Nachfrage auf Bewerberseite in Form dedizierter Auswertungen den Unternehmen angeboten. Das war wie Anja sagt „ganz nett“, aber mauserte sich nicht zu einem echten Geschäftsfeld. Doch wo alle leuchtende Augen bekommen, ist bei dem Thema der Algorithmen. Letztlich geht es um die intelligente Auswertung von Stellenbeschreibungen und die Anforderungen an den Job selbst, die Unternehmen brennend interessierten. Wenn Jobinnovator zum Beispiel in der Lage ist aus Sentiment-Analysen aus Slack-Chats zu erfahren wie die aktuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter aussehen, ist das äußerst wertvoll für Unternehmen. Im aktuellen Pivot geht es Anja und Maria also um die intelligente Auswertung von Anforderungen von Jobs und die Analyse der aktuellen Zufriedenheit der Mitarbeiter. Eine äußerst schlaue und wichtige Brücke die Jobinnovator da schlägt.

Hat Jobinnovator den Heiligen Gral für die Digitalisierung Deutschlands gefunden?

Wie interessant diese Brücke ist, zeigten die vielen Gespräche die Anja und Maria seit Anfang des Jahres darüber führten. Im März 2017 schließlich, kam das Forschungszentrum Informatik auf sie zu. Seitdem arbeiten sie an dem besagtem Algorithmus dem man beibringen kann zu lernen, wie Menschen Stellenanzeigen bewerten. In einer spannenden Ausschreibung für das BMBF (Bundesministerium für Bildung & Forschung) sind sie aktuell in der Bewerbungsphase und arbeiten in einem Konsortium von mehreren Teilnehmern aktuell mit einem traditionellem Mittelständler zusammen, einem Seilhersteller. Hier untersuchen sie, wie sich die Jobprofile im Laufe der Digitalisierung und Flexibilisierung der letzten zehn Jahre verändert haben. Eine partizipatorische Komponente könnte im weiteren Verlauf der Ausschreibung dann sein, das sich die Mitarbeiter des Unternehmens auch einschalten können und ihre Erfahrungen, aktuellen Stimmungen und Erwartungen teilen können. Daraus lässt sich dann das initiale Ziel des Traditionsunternehmens erreichen, nämlich die perfekte Schulungsmaßnahmen und eine Akademie zu entwickeln, die wirklich auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzahlt.

„Wir wünschen uns, dass ein Unternehmen fest mit uns ins Boot steigt, um gemeinsam herauszufinden, was man mit schlauen Algorithmen noch alles in Unternehmen bewirken kann. Im Idealfall entsteht dann auch in dem Bereich, den wir aktuell vor allem als Forschungsfeld bearbeiten, ein tolles marktfähiges Produkt.“ Anja Dehghan

Letztlich könnte das dann dazu führen, dass Anja und Maria mit Jobinnovator die Kompetenzen für den Arbeitsplatz der Zukunft entschlüsseln, wenn sie bisherige Erfahrungen von Unternehmensgeschichten verankern und zielsicherer für die Zukunft extrapolieren können. Wenn Jobinnovator also durch diese Arbeit versteht, wie die Digitalisierung Arbeit verändert und wie die Anforderungen und Kompetenzen sich verändern müssen, damit dieser Wandel klappt, dann haben sie im Grunde eine Blaupause für die Digitalisierung diese Landes entwickelt. Was für eine spannende Mission, ich möchte in jedem Fall genau wissen wie ihre Reise weitergeht und wünsche Ihnen den größten Erfolg!

Shownotes

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