Outplacement mit Herz

Wenn ich das Wort Outplacement höre, fällt mir sofort das Jahr 2008 ein. Die Börsen crashten mit dem Niedergang der Lehmann Brothers und ich musste als junge Führungskraft mit meinem Team harte Zeiten überstehen. Ich habe den Begriff Outplacement, für den Kündigungsprozess von Mitarbeitern, damals zu meinem persönlichen Unwort des Jahres gekürt. Doch natürlich steht hinter so einer eher kühlen Bezeichnung auch ein Prozess, der sich erlernen lässt und somit wie alles im Leben exzellent als auch desaströs umsetzen lässt.

Session auf dem HR Barcamp in Wien

Als ich dann auf dem Sessionpitch für das 2. HR Barcamp in Wien im September 2016 den Titel „Outplacement mit Herz“ hörte, wurde ich sofort neugierig. Und ich wurde nicht enttäuscht, Manuela’s Session war so gut, sie wurde sogar in den Recall des Barcamps aufgenommen. Ich habe mich daher sehr gefreut, dass Manuela einem Interview für die 34. Folge für meinen ffluidcast zustimmte.

Manuela Vorwerk ist seit 14 Jahren bei der Firma Rehau und ist seit 10 Jahren für Recruiting, Employer Branding und Personalentwicklung zuständig. Rehau ist ein Familienunternehmen mit weltweit 19.000 Mitarbeitern im Bereich Automotive und Industrie und hat in Österreich den Bereich Tiefbau schließen müssen im letzten Jahr 2016. Als die Entscheidung fiel die Tiefbausparte des Unternehmens zu schließen, mussten 88 Mitarbeiter entlassen werden. Als Informations- und Kommunikationspädagogin hat Manuela sich ganz im Sinne des Service Design wirklich tiefer gehend mit dem Thema beschäftigt. Und es ist meiner Meinung nach absolut nicht übertrieben zu sagen, sie hat wirklich Herzblut reingesteckt.

Rehau ging richtig und menschlich vor

Aber ganz von vorne. Als Manuelas Chef im Frühjahr auf sie zukam und ihr die Hiobsbotschaft überbrachte, fragte er sie sofort, was sie tun könnte, um es richtig zu machen. Manuela hatte größtmöglichen Freiraum und holte sich auch Partner an Bord, die sie im Bereich Strategie und für die schriftliche Kommunikation unterstützten. Das, so Manuela, sei ganz wichtig gewesen, weil es ihren Blick erweiterte und ihr sehr geholfen hat den richtigen Umgang und Ton mit ihren Kollegen in dieser schwierigen Situation zu finden.

„Wir haben uns gefragt: Wie können wir uns so voneinander trennen, dass es trotzdem menschlich ist. Ich habe mir bei jedem Schritt überlegt, was braucht jemand der seit 30 Jahren nicht auf Jobsuche war, der keine Erfahrung mit den heutigen Medien hat. Das intensive Reinversetzen in die Köpfe der Kollegen hat mir am meisten dabei geholfen.“ Manuela Vorwerk, HR Generalistin Recruiting, Personalentwicklung, Employer Branding, Rehau Group

Ein großes Learning war für Sie die intensive Vorbereitung und das Hineinversetzen in wirklich jeden einzelnen Mitarbeiter. Sie fragte sich: „Was erlebt er jetzt zu Hause? Was können wir tun, um sie bestmöglich zu unterstützen?“ Hier ein Auszug aus den verschiedensten Maßnahmen die Manuela plante:

  • Organisation von Fotoshootings für Bewerbungsfotos für jeden Mitarbeiter.
  • Einladung zu allen Informationsveranstaltungen per SMS einzeln für alle 88 Mitarbeiter, inkl. Erinnerungen.
  • Entwicklung eines eigenen Jobcenters mit individueller Betreuung und eigenem Workshopkonzept.

Die wichtigsten Tipps zur Vorbereitung eines Outplacement-Prozesses

Natürlich wurden die Führungskräfte aller Mitarbeiter ausführlich vorbereitet in ausführlichen Gesprächen und in den Schulungsprozess einbezogen. Manuela hat ein eigenes Jobcenter gegründet, dass auch dazu da war auf die zwischenmenschlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen. Verständnis, Gespräche, Zuhören. Es ging Manuela darum, wie sie jeden der 88 betroffenen Kollegen am besten erreichen konnte, damit auch jedem klar wurde das sie immer einen persönlichen Ansprechpartner haben.

Die offene Kommunikation ging sogar so weit, dass sie sich Feedback für den Kündigungsprozess selbst bei den Mitarbeitern eingeholt hat. Aussagen wie „Danke für den Erinnerungsprozess per SMS und per Facebook“ oder Jubelmeldungen, wenn es mit dem neuen Job geklappt hat, waren keine Seltenheit. Ganz wichtig, so Manuela, ist die intensive Vorbereitung, gute Unterlagen und die ständige Sensibilisierung aller Personen für die nächsten Schritte. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen wie Manuela gibt, die ein solches Herzblut beweisen und die sich wirklich einsetzen für ihre Mitarbeiter. Manuelas Beispiel ist auch ein großartiger Beweis dafür, wie enorm wichtig die HR bei solchen Prozessen ist. Ich wünsche jeder Zuhörerin und jedem Zuhörer eine Kollegin oder Mitarbeiterin wie Manuela.

„Wir brauchen Menschen, die die Wirtschaft wo anders wieder ankurbeln, auch wenn es bei uns jetzt gerade nicht so gut gelaufen ist. Es geht letztlich um das Miteinander und das man sich gegenseitig hilft.“Manuela Vorwerk, HR Generalistin Recruiting, Personalentwicklung, Employer Branding, Rehau Group

Share Post :

More Posts

Schreibe einen Kommentar